speaker-jens-lindner

Jens Lindner

Boy & Man Marketing GmbH (CEO), Berlin

Jens Linder – Speaker beim merchantday 2017 und Amazon-Profi

Ich bin Gründer und Betreiber der Webseite AMZPro und auch für den gleichnamigen YouTube-Kanal verantwortlich. Einige mögen mich vielleicht daher kennen. Ich beschäftige mich seit Jahren (genau seit 2013) mit dem Thema Amazon FBA. Davor war ich allerdings Online Marketing Consultant für Performance-Marketing – also das klassische SEO / SEA und Co. Ich habe in diesem Bereich einige sehr große Unternehmen betreut.

Dieses Consulting habe ich dann an die Agentur „Boy & Man Marketing“  in Berlin weitergereicht. Mit meinen Mitstreitern Christian Iff & Benedikt Schipper haben wir einen ganz neuen und sehr innovativen Marketing Ansatz entwickelt – aber das ist eine andere Geschichte.

Heute geht es vor allem um Amazon und meine Weg dort hin. Also: Nachdem ich durch Zufall ein Vortrag über das AMZ Business gehört habe, habe ich mich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Für mich stand damals nicht das Geldverdienen oder das große Business im Vordergrund. Ich wollte als „Experiment“ das skalierbare System aufbauen, welches ich immer meinen Kunden im Online Marketing gepredigt hatte. Innerhalb von nur 6 Monaten hätte ich von dem Business bequem leben können. Ich wollte aber noch schneller wachsen –  ich hatte „Blut geleckt“ und somit gab es für mich keinen Weg mehr zurück. Ich habe erkannt, dass diese Art von Business mir ganz besonders viel Spaß macht. Erfolg ist irgendwie spannend 😉

Mein größter Fehler beim Importieren von Waren

Anfänglich war ich ein echtes Greenhorn. Aber ich bin ein Macher und kein Analyst, das heißt, nachdem klar war, welchen Artikel ich vertreiben will, hat es nur 4 Wochen gebraucht einen Lieferanten zu finden. Dann wurde die Ware bestellt, eine EORI Nummer beantragt und ein System aufgesetzt, wovon ich überzeugt war, das es skalierbar ist.

Nachdem ich die Ware bezahlt hatte, habe ich vom Lieferanten dann nichts mehr gehört. Ich bin damals davon ausgegangen das ich das Geld verloren hatte. Irgendwann stand dann DHL vor der Tür und ich stand völlig perplex vor dem Karton wo meine Ware drin war.

Diese „gute“ Erfahrung war dann auch der Grund für meinen grössten Fehler. Ich wurde leichtsinnig. Es lief ziemlich gut und ich bestellte immer mehr Ware auf die gleiche Art und Weise. Bestellen – 100% bezahlen und abwarten bis die Ware geliefert wird. Qualitätskontrolle, 30 / 70 Payment, Briefing etc. waren für mich immer noch völliges Neuland.

Mein wichtigstes Learning: so geht man nicht mit Kunden um!

Irgendwann kam es dann so wie es kommen musste. Der Lieferant hat zwar geliefert, aber die gelieferten Produkte waren von so schlechter Qualität, dass Sie sie mir als unverkäuflich erschienen. Aber ich habe Sie dennoch verkauft und musste feststellen, dass man so mit Amazon Kunden nicht umgehen kann. Nicht, dass die Waren sehr häufig reklamiert wurden, auch die Reviews haben mir gezeigt, dass ich das hätte besser bleiben lassen sollen. Der Schaden belief sich auf über 20.000 Euro. Mein größter Fehler war einfach die fehlenden Qualitätskontrolle und meine Blauäugigkeit, dass die Qualität immer gleichbleibend ist.

Der zweite Fehler war, die Waren dennoch zu verkaufen. Nach diesem Fehler habe ich dann aber eine neue Leidenschaft von mir entdeckt: Bessere Produkte für bessere Verkäufe zu entwickeln.

Welchen Versandweg nutze ich?

Normalerweise versuche ich, wenn es machbar ist, den Seeweg zu wählen. Alleine schon wegen den Versandkosten gibt es für einige Produkte keine andere Alternative. In manchen Fällen splitte ich die Lieferung auf Luft- und Seefracht auf. Das heißt, nach der Produktion lasse ich den nötigen Vorrat für 8 Wochen per Luft senden. Der Rest wird dann per Schiff nachgesendet. Wenn also die Luftfracht zur Neige geht, liegt der Nachschub schon im Hamburger Hafen.

Meine bevorzugte Seefracht lässt auch schon durchblicken, dass ich versuche mich von den typischen Privat Label Produkten fern zu halten. Ich source also ganz bewusst Produkte, die nicht in die typische PL Schablone passen.

Warum? Hier gibt es zu viele Glücksritter, die noch nicht mit ihren Hausaufgaben fertig sind. Das heißt, dass die Kalkulation erhebliche Lücken aufweist und somit der Seller die Ware zu einem geringen Gewinn (wenn nicht sogar unter dem EK) verkauft. Bevor er dann Pleite geht, wurde der Preis für diese Produkt bereits nachhaltig geschädigt.

„Erfahrene Amazon-Seller importieren via Seefracht“

Den Sellern, die per Schiff importieren, kann man eine gewisse Erfahrenheit nachsagen. Daher macht es mehr Spaß mit diesen Händlern im Wettbewerb zustehen.

Bei dem maximalen VK (und daraus resultierenden EK) liege ich bis 50 Euro inkl. MwSt. Bei Art des Produktes wie z.B. Elektronik, Textilien, Kunststoff oder Metall habe ich keine Vorzüge. Hier nehme ich jedes Produkt, das ich als nützlich für meinen Kunden empfinde. Nützlich heisst, da es eine Funktion erfüllen und ein Problem lösen können muss. Somit schließe ich z.B. die Produktkategorie „Dekoration“ aus meinem Portfolio aus 😉

Ich nutze verschieden Software um den Abverkauf von Produkttypen zu identifizieren. Ein lohnender Artikel ist für mich, wenn ich theoretisch damit 100 Dollar am Tag verdienen kann. Ich halte aber nicht viel von der 10-10-1 Strategie. Mit ist es egal, ob ich ein Produkt 10x am Tag für 10 Euro Gewinn verkaufe oder ein Produkt 20x am Tag für 5 Euro Gewinn verkaufe. Unterm Strich bleibt es ein 100-Dollar-Produkt und nur das zählt.

Hat Privat Label auf Amazon eine Zukunft?

Definitiv ja, aber nur, wenn man bereit ist, hier auch Zeit, Innovation und natürlich auch Geld in sein Branding zu investieren. Konkret heisst es, dass der Endkunde ein PL-Produkt erst einmal als minderwertig empfindet, solange er die Marke nicht kennt. Je schneller man also darauf setzt, seinen Brand nach außen zu tragen, desto wertvoller wird das Produkt (wahrgenommen). Ein schöner Nebeneffekt ist dabei, dass die „Marken-Artikel“ dann zu einem deutlich höheren Preis angeboten werden können. Noch schöner ist der Effekt, dass sich plötzlich auch andere Seller für deine Marke interessieren. Somit bist du irgendwann kein „PL Seller“ mehr auf Amazon, sondern ein Millionen-Dollar-Markenunternehmen. Bei einem möglichen Exit wirkt sich das sehr deutlich auf den Verkauf aus.

Diese Transformation setzte aber sicherlich einige Mindestanforderung voraus. Zum einen erwartet der Markt eine gute bis sehr gute Qualität. Diese muss unbedingt sicher gestellt sein. Zum anderen werden bei den meisten Produkten ein besonderes Design und sinnvolle Features erwartet. Es muss nicht komplett neu entwickelt werden – es reicht meist schon kleinere Modifikationen vorzunehmen, um sich vom Wettbewerb abzuheben.

Diese beiden Punkte gepaart mit einer guten Marketing- / Brand-Kampagne kann deine PL-Produkte ganz weit nach vorne bringen. Vor allem hast du aber so den asiatischen und inländischen Wettbewerb um ca. 90% ausgeschaltet.

Wie hoch darf der Preis meines PL-Produktes sein?

Mit einem guten Marken-Branding und positiver Reputation kannst du deinen Produktpreis völlig frei vom Wettbewerbsdruck (bis zu einem gewissen Maße) kalkulieren. Dem Endkunden ist es relativ egal, ob er für ein Produkt 20 oder 25 Euro zahlt, solange du ihn davon überzeugen kannst, dass der Mehrpreis berechtigt ist.

Es reicht also am Ende des Tages nicht aus, die 10. Amazon Variante eines Produktes unverändert auf den Markt zu bringen. Der Consumer weiß mittlerweile, was „Private Labelling“ ist und dass diese Ware im Prinzip von einem Band läuft. Er erwartet einfach mehr und das sollte auch der Anspruch von jedem Unternehmer sein. Der Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ist machmal einfach die extra Meile zu laufen.

Erlebe Jens Lindern live auf dem merchantday 2017

Wir freuen uns sehr, mit Jens Lindner einen weiteren sehr erfahrenen Profi im Bereich Private-Label-Produkte auf der Bühne zu haben. Egal ob gerade erst mit Amazon FBA gestartet oder schon dick mit Private-Label-Produkten im Geschäft: von Jens kann garantiert jeder noch etwas lernen. Komm‘ zur Amazon-Konferenz merchantday nach Hannover und erlebe den „AMZpro“ live und in Farbe.